Über uns

Die Landesinitiative Ernährungswirtschaft bündelt Kompetenzen und Know-how in allen Bereichen der Ernährungswirtschaft für ganz Niedersachsen. Zum 1. Januar 2010 fiel der Startschuss für die Landesinitiative Ernährungswirtschaft. Nach der erfolgreichen Bewerbung um die Weiterführung in 2018 erhielten die Universität Vechta und das Deutsche Institut für Lebensmitteltechnik e.V. (DIL) den Zuschlag zur Betreuung der Landesinitiative von 2019 bis 2021.

Die Landesinitiative Ernährungswirtschaft versteht sich als branchen- und technologieübergreifendes Kompetenznetz mit hoher Markt- und Anwendungsorientierung. Ziel ist die Mobilisierung und Erschließung niedersächsischer Innnovationspotentiale. Hierbei wird auf ein innovationsorientiertes, ökologisch und sozial nachhaltiges Wachstum abgestellt.

 

 

Handlungsfelder der Landesinitiative Ernährungswirtschaft

1) Lebensmittelverarbeitung und -technik, Lebensmittelsicherheit- und qualität

Im Bereich Lebensmitteltechnologie werden verfahrenstechnische Innovationen sowie die Individualisierung der Produktion weiter an Bedeutung gewinnen. Vollautomatisierte Prozessketten und Just-in-Time-Produktion durch innovative Verfahren, wie etwa der 3D-Druck, eröffnen nicht nur Möglichkeiten in der Produktvielfalt, sondern werden maßgebliche Auswirkungen auf die Logistik, neue Vertriebswege und somit auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung der Ernährungsindustrie entfalten. In diesem Zuge sind die Digitalisierung und die damit verbundene Erhebung sowie Analyse großer Datenmengen als wichtiger Trend hervorzugeben. Die Verarbeitung alternativer Rohstoffe in neue attraktive Produkte sowie die schonende Haltbarmachung von Lebensmitteln ohne Hinzugabe von einem Übermaß an Zusatzstoffen werden aufgrund der steigenden Nachfrage nach hochwertigen, gesunden und nachhaltigen Lebensmitteln weiter eine zentrale Rolle spielen.

In der Lebensmittelsicherheit bildet die Analytik – neben der mikrobiologischen und chemischen Sicherheit sowie dem Qualitätsmanagement – die physikalische Untersuchung von Lebensmitteln eine wichtige Innovationslinie. Die physikalische Analytik übernimmt die Funktion eines Bindegliedes zwischen verfahrenstechnischen und materialwissenschaftlichen Ansätzen und eröffnet vielfältige Möglichkeiten für interdisziplinäre Forschungsarbeiten. Die Lebensmittelphysik umfasst die Strukturcharakterisierung und die Optimierung von Lebensmittelsystemen sowie die Einstellung gewünschter (sensorischer und inhaltlicher) Funktionalitäten. Auch für die Lebensmittelsicherheit wird die Digitalisierung an Bedeutung gewinnen. Digitale Marker-Verfahren, die immer filigranere Nutzung von RFID-Technologien sowie die Sequenzierung von Prozessketten anhand großer Datenbestände zählen zu den wichtigen Entwicklungen auf diesem Gebiet.

Schwerpunkte für diesen Bereich sind: Produktentwicklung, insbesondere vegetarische und vegane Produkte, neue Verfahren, Automatisierungstechnik, Lebensmittelsicherheit und Qualitätsmanagement.

 

2) Nachhaltigkeit und Werteorientierung

Das von der Generalversammlung der Vereinten Nationen im September 2015 verabschiedete Ergebnisdokument „Transformation unserer Welt: die Agenda 2023 für nachhaltige Entwicklung“ enthalten 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung, von welchen viele einen direkten oder indirekten Bezug zur Ernährungswirtschaft haben (z.B. Ziel 8, menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum; Ziel 13, Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und seiner Auswirkungen). Die Begriffe Nachhaltigkeit und Werteorientierung sind dementsprechend in ihrer ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Dimension zur stärksten Antriebskraft für Innovationen und zu einem entscheidenden Argument für oder gegen die Attraktivität von Lebensmitteln geworden. Themen wie Ethik, Tierschutz, Ressourceneffizienz, Authentizität von Lebensmitteln und Gesundheit sind Gegenstand der öffentlichen Diskurse über die Produktion und den Konsum von Lebensmitteln.

Schwerpunkte Nachhaltigkeit: Eco Footprint, Nebenstromnutzung, Alternative Eiweißquellen, Gesundheit, Ökobilanzierung, Protein 4.0.

Schwerpunkte Werteorientierung: Werte, Moral, Tugend, Ethik, Reflexion.

 

3) Digitalisierung

Die niedersächsische Ernährungsindustrie produziert hochwertige Lebensmittel und ist in der Lage, diese kontinuierlich zu verbessern. Es ist daher wichtig, die Potenziale disruptiver Technologien wie Big Data und Blockchain sowie digitale Vertriebswege frühzeitig zu erkennen und dieser Branche zugänglich zu machen. Die LI EW möchte mit der Food Data Group des DIL und den niedersächsischen Kooperationspartnern, wie dem Netzwerk Industrie 4.0 Niedersachsen, Know-How aus der Ernährungsindustrie und der IT-Branche bündeln und Unternehmen hierzu gezielt unterstützen. Hierbei sind die vorgenannten Themen wie Blockchain, Industrie 4.0, Online-Handel, Big Food Data, Life Cycle Assessment, Additive Manufacturing und Supply Chain Transparenz im Fokus der nächsten Jahre.

Schwerpunkte: Industrie 4.0., Blockchain, Dezentralisierung, additive Fertigung, Smart Factory.

 

4) Entrepreneurship/Start-ups

Der Begriff Entrepreneurship ist nicht mit dem im deutschsprachigen Raum gebräuchlichen Begriff der Existenzgründung gleich zu setzen. Beim Phänomen des Entrepreneurship geht es um völlig neue Produkte, Dienstleistungen oder Geschäftsmodelle. An dieser Stelle seien Beispiele aus den Disziplinen (1) Nachhaltigkeit (Sustainability, Social und Eco Entrepreneurship, (2) Digitalisierung (digitale Weiterentwicklung als Basis für unternehmerische Aktivität) und (3) Intrapreneurship (die Förderung unternehmerischer Aktivitäten aus bestehenden Unternehmen heraus, d.h., die Nutzung/Ausgründung bestehenden unternehmerischen Potentials für die Entwicklung neuer Innovationen) genannt. Bei Entrepreneur*innen handelt es sich somit um Initiatoren und Träger disruptiver Innovationen. Durch die Verbreitung des Gründergeistes entstehen gute Ideen nicht nur, sondern werden tatsächlich umgesetzt.  

Neben verschiedenen Aktivitäten in Kooperation mit dem BIQ Business und Innovationspark in Quakenbrück sowie dem Seedhouse in Osnabrückwird in Niedersachsen an zahlreichen weiteren Standorten, wie z.B. dem Gründungs- und Innovationszentrum (GIZ), dem Technolgie- und Gründerzentrum (TGO), oder dem OFFIS der Universität Oldenburg, eine erfolgreiche Gründungsförderung betrieben. Diese Institutionen sollen zukünftig stärker in die Arbeit der LI EW eingebunden werden – beispielsweise in Form von trans- und interdisziplinären „Idea Jams“ zu Kernschwerpunkten wie Ernährung, Produktion, Entrepreneurship (Lean Startup/Lean Change-Methoden), IT, Chemie/Biologie, Nachhaltigkeit, Ethik etc., in die Vertreter*innen aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft einbezogen werden, um langfristig Veränderungsprozesse aus bestehenden Unternehmen heraus zu befördern.

Schlagworte: Technical trouble shooting, Markeintritt, Digitale Geschäftsmodelle, Fördermöglichkeiten, Gründungszentren.

 

5) Gesunde Ernährung

Gesunde Ernährung ist nicht nur im Zusammenhang von ernährungsbedingten Krankheiten wichtig, sondern wird für die Unternehmen der Ernährungsindustrie wichtig. Die Verbraucher*innen setzen sich immer mehr mit ihrer Ernährung und Bezug zu Gesundheit und Wohlbefinden auseinander. Neben dem Trend zu vegetarischer und veganer Ernährung gibt es auch die Entwicklung hin zu alternativen Produkten auf Basis von Insekten und Algen.

Zum Bereich Gesunde Ernährung ist die Zusammenarbeit mit der europäischen Plattform EUFIC (European Food Information Council) geplant. Unter dem Titel „Reduction 2020“ finden bereits Veranstaltungen zur Reduktion von Zucker, Salz und Fett in Lebensmitteln statt. Hieran möchte sich die LI EW in den kommenden drei Jahren stärker beteiligen und den Austausch mit den Unternehmen der Ernährungsindustrie in Niedersachsen aufnehmen. Dazu dienen auch die Entwicklung neuer Produkte im technischen Bereich, mögliche neue vegane und/oder vegetarische Produkte, die mit alternativen Eiweißquellen auf Basis von z.B. Insekten oder Algen, entwickelt werden.

Die Erschließung alternativer Proteinquellen in der Tier- und Humanernährung sowie die Entwicklung effizienter (informations- und verfahrenstechnisch gestützter) Versorgungsstrukturen in Entwicklungs- und Schwellenländern bilden zentrale Herausforderungen der globalen Ernährungssicherung. Der Technologietransfer kann hierzu einen signifikanten Beitrag leisten. Effiziente Haltbarmachungsverfahren und die Just-in-Time-Produktion von Lebensmitteln können Lieferketten in strukturschwachen Weltregionen sicherer machen und Lebensmittelverluste auf diese Weise verringern. Darüber hinaus tragen sie zu einer Diversifikation des verfügbaren Nahrungsmittelangebots bei und können verbreitete Probleme wie den Mangel an Mikronährstoffen entgegenwirken.

Schlagworte: CSR, gesunde Ernährung, Sichere Lebensmittel, Ernährungskompetenz.