Erfolgreiche Kooperationsveranstaltung von NieKE – Landesinitiative Ernährungswirtschaft und den Erzeugergemeinschaften der VzF GmbH in Verden

(v.l.n.r.): Dr. Conrad Welp, VzF, Ralph Dausch, Kaufland, Prof. Dr. Dr. h.c.
P. Michael Schmitz, Justus-Liebig-Universität Gießen, Doris
Schröder, NieKE, Mag. Christian Dürnberger, Veterinärmedizinische
Universität Wien, Andreas Neumann, VzF und Eckard Koch, VzF

Nachrichten details

 

NieKE - Landesinitiative Ernährungswirtschaft und die Erzeugergemeinschaften der VzF GmbH führten am Mittwoch, 14.06.2017 eine gemeinsame Vortragsveranstaltung unter dem Titel „Ethik, Tierschutz und Bezahlbarkeit“ im Niedersachsenhof in Verden/Aller durch.

In seinem Grußwort ging Herr Eckhard Koch, Vorsitzender des Aufsichtsrates der VzF-GmbH darauf ein, dass seit Jahren von Politik und Gesellschaft mehr Tierschutz in der Landwirtschaft gefordert wird. Im Bereich der Schweineproduktion reichen die Vorgaben und Gesetze zum Tierschutz von der Sauenhaltung, über das Verbot der betäubungslosen Kastration bis zu den Anforderungen im Maststall. Tierwohlsteigernde Maßnahmen müssen innerhalb der Wertschöpfungskette honoriert werden und Verbraucher am Ende an der Ladentheke höhere Preise für Schweinefleisch zahlen. Obwohl bei Umfragen die Bereitschaft hierzu hoch scheint, verhält sich die Realität anders. Der Markt für Fleisch aus tiergerechter Haltung zu einem höheren Preis befindet sich noch in einer Nische.

Herr Mag. Christian Dürnberger, Veterinärmedizinische Universität Wien, referierte zu ethischen Überlegungen: Was erwartet die Gesellschaft von der Landwirtschaft, insbesondere von der Schweinehaltung? Er stellte fest, dass das Nutztier gesellschaftlich so umstritten ist wie noch nie zuvor und das betrifft nicht nur die derzeitige Haltung der Tiere, sondern umfasst auch Stallbauvorhaben und deren Planung. Die Gesellschaft nimmt gleichwohl die Bedeutung und vielfältigen Aufgaben der Landwirtschaft wahr und in Umfragen ist die Bewertung für das Ansehen der Landwirte positiv. Als Fazit ist festzuhalten, dass Landwirte in der Pflicht stehen, aber nicht am moralischen Pranger stehen sollten. Die Tierhaltung sei ein Thema, um das es sich zu streiten lohnt.

Kundenerwartungen und Chancen für die Land- und Fleischwirtschaft stellte Herr Ralph Dausch, Geschäftsleitung Kaufland Fleischwaren International, vor. Er machte zu Beginn seines Vortrags deutlich „Wir sitzen alle in einem Boot“ und die Herausforderungen der Branche könne nur miteinander in der gesamten Wertschöpfungskette gelöst werden. Ab dem Jahr 2000 hat das Unternehmen Kaufland die Bedientheken für Frischfleisch und Fleischprodukte abgeschafft und in seinen Märkten nur auf Selbstbedienung gesetzt. Der Trend, dass Tierhaltung und Tierwohl zu zentralen Erwartungen der Kunden werden oder schon geworden sind, hat ein Umdenken im Unternehmen verursacht. Dieser Wandel soll als Chance aufgenommen werden, die Bedienungstheke erlebt eine Renaissance und wird in allen Märkten wieder eingebaut werden. Das Fleisch wird zukünftig über ein Qualitätsprogramm Schwein vermarktet, das sich in Punkto Herkunft, Tierwohl, Aufzucht, Transparenz und Fairness über dem gesetzlichen Standard befindet. Damit sollen höhere Preise am Point of sale erzielt werden.

Herr Prof. Dr. Dr. h.c. P. Michael Schmitz, Justus-Liebig-Universität Gießen, Institut für Agrarpolitik und Marktforschung, hat den Tierschutz aus betriebs- und volkswirtschaftlicher Sicht betrachtet. Er hat seinem Vortrag einige Gründe vorangestellt, warum man sich mit dem Thema beschäftigen sollte. Derzeit finden Generalangriffe auf die moderne, arbeitsteilige und handelsoffene Landwirtschaft statt, die Ängste und Empörung in der Gesellschaft auslösen und auch im anstehenden Wahlkampf Thema sein werden. Prof. Schmitz empfahl der Branche, sich fachlich und emotional dagegen zu wehren. Über die Kirche bis zur Wissenschaft wird die derzeitige Form der konventionellen Tierhaltung in Frage gestellt. Dabei sei die Nutztierhaltung zusammen mit Partnern in der Wertschöpfungskette ein wichtiger und erfolgreicher Wirtschaftszweig in der deutschen Volkswirtschaft. Die Folgeabschätzungen von Tierschutzmaßnahmen aus dem Gutachten des Wissenschaftlichen Beirates ergeben Kostensteigerungen von mehr als 40 % bezogen auf Vollkosten, mit einem Rückgang der Produktion von 20 – 40 %. Die ausufernde Kostenbelastung gefährde die Existenz zahlreicher Nutztierhalter und schade der Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland im europäischen und internationalen Vergleich. Herr Prof. Schmitz machte deutlich, dass die Landwirte die Forderungen nach einer tiergerechteren und tierfreundlicheren Nutztierhaltung unterstützen, aber unter den Voraussetzungen, dass es wirtschaftlich verkraftbar ist, EU-einheitlich erfolgt, ohne persönliche Diffamierung auskommt, es genügend Zeit zur Anpassung gibt und nicht zuletzt einen Ausgleich für die politikgetriebene Mehrkosten gibt.

 

Herr Dr. Conrad Welp moderierte die Veranstaltung und stellte die Vorträge abschließend zur Diskussion und die TeilnehmerInnen hatten Gelegenheit, Fragen an die Referenten zu stellen, die lebhaft diskutiert wurden. Im Anschluss stellte Herr Dr. Stephan Welp das neue, intelligente Analyse-Tool „Vzf : professional“ vor. Das Tool ist für die Beratung von Zucht-, Ferkelerzeugungs-, Ferkelaufzucht- und Schweinemastbetriebe entwickelt worden. Es ermöglicht eine ganzheitliche, stufenübergreifende Betrachtung und Auswertung durch intelligente Verknüpfung aller in den Betrieben und in der VzF-Beratung anfallenden Daten auf Basis der VVVO-Nummer. Damit werden alle Daten entlang der Wertschöpfungskette Schwein verarbeitet und sinnvoll zusammengeführt.

 

 

 

Quelle: NieKE
Veröffentlicht am: Di | 20 Jun, 2017